Duales Teamwork
03.04.2025

Duales TeamworkLufthansa Technik Azubis und mint:dual bauen blinkendes Leitwerk

Immer schön gerade halten, smart anfangen, schneller werden – und bloß nicht abrutschen: Helene hat den Handbohrer konzentriert auf das von ihr gebogene Aluminiumblech gerichtet. Vier Kreuze hat sie darauf markiert. Macht vier Bohrlöcher – das allererste ist besonders aufregend. Aber Adrenalin fördert bekanntlich die geistige Schärfe und als Helene den Bohrer wieder ausstellt, ist das Loch im Zuschnitt kreisrund, die Markierung komplett verschwunden und Tim voll und ganz zufrieden. „Das sieht doch super aus“, sagt der Azubi. Der 22jährige ist angehender Fluggerätmechaniker im ersten Lehrjahr bei Lufthansa Technik. Da stehen die „Grundlagen Metall“ auf seiner Tagesordnung, Feilen, Spanen, Bohren an der Werkbank. Handwerkliches Wissen, das Tim an diesem Vormittag bei der Fertigung eines Leitwerkes in Miniaturformat an Helene weitergibt. Die Neuntklässlerin hat sich für das Berufsorientierungsprogramm mint:dual zu der Veranstaltung angemeldet.  

Leitwerk leicht gemacht   

„Hast du dich für die Lufthansa Technik entschieden oder wurdest du zugeteilt?“, fragt Tim, als das Duo beim letzten Bohrloch angelangt ist. Helene ist voll und ganz freiwillig dabei. Tim wundert das: „Hast du irgendeinen Bezug zur Luftfahrt, kennst du jemanden?“ Nicht so richtig, antwortet die 15-Jährige: „Ich fand es einfach interessant, mir das mal anzuschauen, weil ich davon so gar nichts weiß“, betont sie. Neue Berufsfelder kennenlernen, sich praktisch ausprobieren und vernetzen, Tim hätte so ein Angebot in seiner Schulzeit auch gern gehabt. Der Abiturient ist über die Faszination Fliegen und den Wunsch, die Welt kennenzulernen, zunächst Flugbegleiter geworden. Aber das sei nun mal nur ein Lehrgang ohne Abschluss: „Das kann man nicht ewig machen.“ Fluggerätmechaniker dagegen schon, erzählt Ausbildungsmeister Falk Krabbe. Vor 40 Jahren hat er selbst die Ausbildung bei Lufthansa Technik absolviert, jetzt unterstützt er dabei, genügend Nachwuchskräfte zu finden und zu binden. 

Blinkanlage aus zwölf Bauteilen

Jeder mint:dual Teilnehmerin einen Azubi an die Seite zu stellen, verdeutlicht die Wertschätzung, die interessierte Jugendliche in der Ausbildungswerkstatt erfahren. Und sie gilt keineswegs nur für Krabbes Fachrichtung. „Wir haben Mechanik und Elektronik gemischt, damit ihr in beide Bereiche reinschnuppern könnt“, sagt er und übergibt die erste Schülerinnengruppe an Elektronikausbilder Armin Thoma, genauer an fünf angehende Fluggerätelektroniker aus dem ersten Lehrjahr. Friedrich sitzt neben Jessica und erklärt jede Komponente aus dem Bausatz „Blinkende LEDs“. Widerstände, Transistoren, Elektrolytkondensatoren – es sind sechs unterschiedliche Bauteile, die jeweils im Doppelsatz verlötet werden sollen. „Hast du schon Erfahrungen mit Löten?“, fragt der Azubi. Jessica hat das schon in der Schule gemacht. „Dann sind die Grundlagen ja klar“, freut sich Friedrich und wiederholt ordnungsgemäß die Vorschriften: Schutzbrille tragen, Absauganlage anstellen, Hände weg vom Lötzinn.

Austausch auf Augenhöhe

Los geht es, Jessica fängt bei den flachen Bauteilen an und arbeitet sich bis zu den LEDS hoch. Friedrich ermutigt, gibt Tipps und berichtet nebenbei von der Ausbildung. „Hast du direkt nach der Schule angefangen?“, will die 17-Jährige wissen. Ja, direkt nach der zehnten Klasse, sagt der 18-Jährige und erklärt, dass ein Abi nicht zwingend für die Ausbildung notwendig sei und Frauen gute Chancen hätten. Aber die Stadtteilschülerin will bis zur Berufswahl noch ein paar Exkursionen mehr machen. Bei Lufthansa Technik hat sie schon mal gelernt, dass ihr Mechanik mehr liegt als Elektronik. Bei Helene ist es andersherum. „Das Löten war cool, Fummelarbeit mag ich“, sagt sie. Noch einen Arbeitsplatz weiter, lobt Karolin die Kombi. „Ich möchte mich hier bewerben, für ein duales Studium der Mechatronik.“ Bereit zum Abheben ist schon mal das Leitwerk, das die Zwölftklässlerin mit nach Hause nehmen darf. Dafür stehen die rot blinkenden LEDs. 

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